Wer schreit denn da so kläglich? Regionales

26.04.2017

Wenn man in unserer Region zwischen Januar und April mit offenen Ohren durch Wälder mit Beständen an älteren Eichen, Eschen oder Silberpappeln wandert, hört man von Zeit zu Zeit einen Vogelruf, bei dem man im ersten Moment oft glaubt, man sei Ohrenzeuge einer Bluttat. In Wirklichkeit handelt es sich aber um den Balzruf des Mittelspechts, eines nahen Verwandten des viel häufigeren Großen Buntspechts.  

 

In Gefiederfärbung und Größe ist der Mittelspecht seinem etwas größeren Verwandten auch recht ähnlich, lässt sich aber bei näherem Hinsehen von diesem gut unterscheiden, weil ihm die für den Großen Buntspecht charakteristische schwarze Gesichtsmaske fehlt.  

 

Der Mittelspecht ernährt sich vor allem von Insekten und Spinnentieren, die er aus der grobrissigen Borke älterer Laubbäume und aus morschem Holz aufsammelt. Auch seine Bruthöhle zimmert der Mittelspecht in leicht morschem, weichem Holz, sein Schnabel ist nicht so stark wie der des Großen Buntspechts. Deshalb benötigt der Mittelspecht Wälder mit alten Bäumen und Totholz. In neueren Untersuchungen hat man festgestellt, dass Mittelspechte nicht nur in Wäldern mit entsprechenden Lebensbedingungen vorkommen, sondern auch auf Streuobstwiesen.  

 

Wenn man den Ruf eines Mittelspechts hört, lohnt es sich, genau hinzusehen: häufig umflattert das balzende Männchen ein Weibchen, so dass sich die beiden Vögel gut beobachten lassen.  

 

Übrigens kommen 20% des weltweiten Bestands an Mittelspechten in Deutschland vor, wobei Baden-Württemberg einer der Schwerpunkte des Vorkommens ist. Deshalb tragen wir eine ganz besondere Verantwortung für diesen bunten kleinen Vogel, dem wir helfen können, indem wir geeignete Lebensräume schützen und erhalten.  

 

Zahlreiche Stimmbeispiele für den Mittelspecht findet man auf xeno-canto.org: www.xeno-canto.org/species/Dendrocopos-medius

 

Peter Maurer  

 

Foto: LubosHouska